Plastische Chirurgie: Innovativer Motor der Chirurgie

07.04.2014

Dr. Walther Jungwirth

Prof. Dr. Lars-Peter Kamolz

Univ. Prof. Dr. Stephan Spendel

Kaum eine andere medizinische Fachrichtung hat sich im letzten Jahrzehnt derart rasch weiterentwickelt und die Chirurgie insgesamt beeinflusst, wie die plastische Chirurgie.

 

Die vier Bereiche der Plastischen Chirurgie (Rekonstruktive Chirurgie, Handchirurgie, Verbrennungschirurgie und Ästhetische Chirurgie), haben denselben Grundgedanken: Formen, Bilden und Gestalten. Diese Faktoren stellen die Basisidee der plastischen Chirurgie dar, deren Ziel es ist, stets das bestmögliche optische wie funktionelle Ergebnis zu erzielen. Das Ziel der plastischen Chirurgie ist es somit, sichtbar gestörte Körperform und beeinträchtigte Körperfunktionen wiederherzustellen oder zu verbessern. Aber nicht nur die chirurgischen Verfahren sind in den letzten Jahrzehnten differenzierter geworden; auch das generelle Einsatzgebiet der plastischen Chirurgie hat sich ausgeweitet, wobei eines über all diese Jahrzehnte aber konstant geblieben ist: Rekonstruktive Chirurgie ist gelebte Interdisziplinarität.

 

„In keinem anderen medizinischen Fach gab es einen derart hohen Zugewinn an neuen Methoden“, bestätigt Dr. Jungwirth, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie, beispielsweise die Möglichkeiten des freien Gewebetransfers. Neue kombinierte Gewebetransfers (z.B: Gewebeblock bestehend aus Knochen, Muskel und Haut) ermöglichen zerstörtes Gewebe optimal zu ersetzen und damit Form und Funktion noch besser zu rekonstruieren. Wesentliche Grundlage für diesen freien Gewebetransfer ist die Mikrochirurgie. D.h. mit Hilfe des Mikroskops und extrem kleinen Instrumenten kann der Plastische Chirurg sogar feinste Nerven und Gefäße reparieren und abgetrennte Finger oder ganze Gliedmaßen replantieren.

 

Zum rekonstruktiven Einsatzgebiet gehören aber auch die Behandlung von Blutschwämmen sowie die chirurgische Behandlung von gutartigen und bösartigen Haut- oder Weichteiltumoren.

Einer der häufigsten durchgeführten Eingriffe ist die Brustrekonstruktion nach einer Brustkrebsoperation. Auch hier stehen mittlerweile unterschiedlichste Verfahren und Techniken zur Verfügung. D.h. es kann für und mit einer Patientin das für sie optimale rekonstruktive Verfahren geplant und eingesetzt werden (personalisierte Medizin).

 

„Die Plastische Chirurgie bzw. die Medizin im generellen steht vor großen Entwicklungen. Dank der rasant wachsenden Einblicke in zelluläre Prozesse verstehen wir die molekularbiologischen Mechanismen der „Heilung“ unseres Körpers zunehmend besser. Diese Kräfte gezielt zu nutzen, bedeutet eine wesentliche Erweiterung der Heilkunst um therapeutische Optionen, die oft unter dem Schlagwort der Regenerativen Medizin zusammengefasst werden“, meint Prof. Dr. Lars-Peter Kamolz, Leiter der Plastischen, Ästhetischen und Rekonstruktiven Chirurgie an der Medizinischen Universität Graz.

„Schon heute zeigen sich gerade in der Plastischen Chirurgie erstaunliche Beispiele, unter anderem die Möglichkeit, Hautverbrennungen mit gezüchteter Haut (Tissue Engineering) zu behandeln. Diese Techniken haben die Verbrennungschirurgie in den letzten Jahrzehnten revolutioniert. Auf diesem Gebiet der Forschung sind wir in Europa sicher federführend“, so Kamolz.

"Aber auch der Einsatz von Fettzellen und Stammzellen stellt im Bereich der Geweberegeneration, Gewebereparation und Geweberekonstruktion eine interessante und vielversprechende Option dar“, so Prof. Spendel, Sekretär der Österreichischen Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie und Plastischer Chirurg an der Medizinischen Universität Graz. 

„Diese Erfolge im Bereich der Regenerativen Medizin sind aber nur durch gemeinsame Anstrengungen, vor allem durch die Zusammenarbeit von Grundlagenforschung, Klinik und Industrie, möglich und bestätigen daher wieder den interdisziplinären Grundgedanken der Plastischen Chirurgie“, so Prof. Dr. Lars-Peter Kamolz.

 

Ästhetische Chirurgie – Verantwortung für den Patienten

Menschen, die einen ästhetisch-plastischen Chirurgen aufsuchen, sind in der Regel nicht krank, sondern unzufrieden mit ihrem Aussehen. Diese Unzufriedenheit kann sich auch in mangelndem Selbstvertrauen, in Minderwertigkeitsgefühlen und depressiven Stimmungsbildern mit Schwierigkeiten der Alltagsbewältigung ausdrücken.

„Bedingt durch die Fülle der operativen Möglichkeiten ist die Beratung der Patientinnen und Patienten heute die Kernaufgabe der ästhetisch-plastischen Chirurginnen und Chirurgen. Da prinzipiell jeder Eingriff Risiken mit sich bringt, müssen die Patientinnen und Patienten genau über die Erfolgsaussichten und möglichen Komplikationen eines Eingriffs aufgeklärt werden. Nur wenn die Patientinnen und Patienten mit realistischen Erwartungen in den OP-Saal gehen, kann eine ästhetisch chirurgische Operation zu einem besseren Körpergefühl führen“, betont Dr. Walther Jungwirth, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie. Das Ziel der ästhetisch-plastischen Chirurgie ist immer eine Harmonisierung der äußeren Erscheinung.

 

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