Plastische Chirurgie: Aufbruch zu neuen Ufern

28.09.2011

Ganzheitliche Behandlungskonzepte und bahnbrechende neue Techniken im Fokus der größten Tagung Plastischer Chirurgen im deutschsprachigen Raum:

• Erweiterung des Leistungsspektrums durch Koordination der Therapieschritte
• Neue Behandlungsansätze durch Case Management
• Neue Operationstechniken zur Wiederherstellung von Lebensqualität
• Bahnbrechende Fortschritte durch experimentelle Forschung

Im Zentrum des größten deutschsprachigen Kongresses Plastischer Chirurgen, der gemeinsam von der Österreichischen Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie (ÖGPÄRC), der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen e.V. (DGPRÄC) und der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC) in Innsbruck von 29.9. bis 1.10. 2011 veranstaltet wird, stehen fachliche Vernetzung und der Aufbruch zu neuen Ufern.

Erweiterung des Leistungsspektrums durch Koordination der Therapieschritte
Angesichts der Veränderungen, die sich auch im Bereich der medizinischen Versorgung abzeichnen, gilt es die eigene Rolle zu hinterfragen und gegebenenfalls neu zu definieren. Neue therapeutische Aufgabestellungen und arbeitsteilige Prozesse in der Spitzenmedizin fordern vermehrt die fächerübergreifende Zusammenarbeit der verschiedenen Fachbereiche. Wird diese Zusammenarbeit optimal koordiniert, können ganzheitliche Behandlungskonzepte entstehen, die individuell auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmt werden. Der wichtige Part des Koordinators kommt häufig Plastischen Chirurgen zu, auch weil sie historisch bedingt über Know-how aus verschiedenen Fachbereichen verfügen. Univ. Prof. Dr. med. Gerhard Pierer, Direktor der Univ.-Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie an der Medizinischen Universität Innsbruck und Vorstandsmitglied der ÖGPÄRC erklärt: „Die zunehmende Erweiterung des medizinisch Machbaren zieht in vielen Fällen therapeutische Maßnahmen nach sich, die sehr komplex sind. Wenn nun verschiedene Fachbereiche zu unterschiedlichen Zeiten an der Wiederherstellung der Gesundheit des Patienten arbeiten wollen, ist die Koordination der gesetzten Maßnahmen erforderlich. Diese neue Rolle des Koordinators übernehmen wir gerne, da sie es uns ermöglicht, für die Patienten individuell abgestimmte Behandlungskonzepte zu entwickeln. Wir sehen dies als willkommenen Erweiterung unseres Leistungsspektrums.“
Die neue Form des Patientenmanagements wird durch die Einrichtung interdisziplinärer Konferenzen möglich, in denen gemeinsam ein Behandlungskonzept formuliert wird. Regelmäßige nachfolgende Besprechungen ermöglichen das Nachjustieren der therapeutischen Maßnahmen und sichern langfristig den Erfolg der Behandlung. Damit wird nicht nur die Lebensqualität des Patienten verbessert, auch ökonomisch betrachtet ist dieser Weg sinnvoll, da zielgenau interveniert werden kann und Kosten, z.B. durch die Verkürzung von Spitalsaufenthalten, gesenkt werden können.

Qualität und Ökonomie
Die Wirtschaftlichkeit der verschiedenen Fachbereiche und der eingesetzten Mittel wird auch in der Medizin zunehmend gründlich beleuchtet. Daraus ergibt sich in manchen Fällen ein Spannungsfeld in dem die Bedürfnisse des Patienten und die Qualität der medizinischen Leistung ökonomischen Fragestellungen gegenüberstehen. Eine der gängigen Befürchtungen ist, dass ökonomische Entscheidungen zu Lasten der Versorgungsqualität gehen. Univ. Prof. Dr. med. Anton H. Schwabegger, M.Sc., stv. Direktor der Univ.-Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie an der Medizinischen Universität Innsbruck meint dazu: „Gerade anhand unseres Faches kann gezeigt werden, dass der Nutzen adäquater medizinischer Versorgung auch volkswirtschaftlich betrachtet größer ist als die eingesetzten Mittel. Sowohl im rekonstruktiven als auch im ästhetischen Segment unterstützt die Plastische Chirurgie die Wiedereingliederung von Patienten in das gesellschaftliche Leben und in den Arbeitsprozess indem Fehlbildungen beseitigt, Funktionsverbesserungen erreicht oder Invalidität verhindert wird. Gerade im Spitalsbereich ist die Rekonstruktive Chirurgie daher in vielfacher Hinsicht ökonomisch höchst sinnvoll.“ Das Spektrum der Eingriffe, die zum Einsatz kommen, reicht von einfachen Operationen, die verhältnismäßig günstig sind und vor allem Expertise und Erfahrung des Arztes voraussetzen bis zur teuren High-tech-Chirurgie. In vielen Fällen ist es sinnvoll, Plastische Chirurgen bereits zur Primärversorgung zuzuziehen, da damit aufwändige Sekundär- und Tertiäreingriffe nicht mehr nötig werden. Das ist nicht nur schonender für den Patienten sondern auch kostengünstiger, weshalb diesem Aspekt im wissenschaftlichen Programm der Tagung einige Sitzungen gewidmet sind. www.plast-congress-2011.org/programm.php
Auch wenn es um die plastisch-chirurgische Versorgung alter Menschen geht, kann das Fach neben medizinisch-ethischer auch mit ökonomischen Argumenten punkten: Wurde in der Vergangenheit beispielsweise bei betagten Brustkrebspatientinnen die Brust nicht mehr rekonstruiert, führt man diesen Eingriff heute auch bei älteren Menschen durch. Zum einen sind die Anästhesiemethoden und auch alle anderen Verfahren schonender geworden, zum anderen nimmt man nun vermehrt auch auf das Körpergefühl der Betroffenen Rücksicht. Denn, egal wie alt man ist, ein gutes Körpergefühl trägt zum Wohlbefinden und dieses langfristig zum Erhalt der Gesundheit bei.

Neue Behandlungsansätze durch Case Management
In der Rekonstruktiven Chirurgie wird dem Plastischen Chirurgen sehr oft die Funktion des Case Managers zugeschrieben, da er in viele Abschnitte der medizinischen Betreuung eingebunden ist. Als Case Manager entscheidet der Plastische Chirurg im Bereich der fächerübergreifenden Zusammenarbeit (z.B.: im Bereich der Rekonstruktion nach Tumoren oder bei Unfallopfern, die mehrere Fachdisziplinen beschäftigen), welcher Eingriff zu welchem Zeitpunkt durchgeführt wird. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Operationsmethoden und die genaue Kenntnis der Situation des Betroffenen ermöglichen es dem Plastischen Chirurgen, individuell angepasste Behandlungskonzepte zu entwickeln und, wenn nötig und angebracht, neue Wege zu gehen. Dr. Elisabeth Zanon, niedergelassene Plastische Chirurgin, und Vorstandsmitglied der ÖGPÄRC betont: „Für uns ist Evidenzbasierte Medizin mehr als nur ein Schlagwort. In unserem Berufsalltag, gleichgültig ob im Spitals- oder Niedergelassenen Bereich, stützen wir uns auf die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse und verknüpfen dieses Wissen mit unserer Expertise und unserer Erfahrung. Auch der Wissensaustausch fachintern und interdisziplinär ist wesentlich. Fachinterner Austausch dient vor allem der Vertiefung des Wissens und der Verfeinerung der Technik. Fächerübergreifende Zusammenarbeit steht meist im Zeichen des Case Managements: Im Fall eines sogenannten Dismorphophobiesyndroms, einer Körperbildstörung, ist die Zusammenarbeit mit Psychologen und Psychiatern zum Beispiel unumgänglich.“

Qualitätssicherung
Um Syndrome wie das Dismorphophobiesyndrom erkennen zu können, bedarf es einiger Erfahrung und vor allem einer soliden Ausbildung. Nicht alle Ärzte und Ärztinnen, die im ästhetischen Bereich arbeiten, verfügen über die entsprechende Ausbildung. Sie arbeiten dennoch als „Schönheitschirurgen“, da dieser Titel in Österreich nicht geschützt ist. In manchen Fällen ist die Grenze zwischen Ästhetischer Medizin und einer Heilbehandlung für Patienten schwer zu erkennen und Methoden, die als sanft gepriesen werden, sind oft wesentlich belastender oder unsicherer als herkömmliche Eingriffe. Um nun die Patienten abzusichern, aber auch im eigenen Interesse, setzte die ÖGPÄRC in den vergangenen Jahren verstärkt auf Aufklärung und auf Qualitätssicherung. Nach der Einrichtung eines Serviceprojekts für verunsicherte Patienten und der Veröffentlichung von Qualitätsrichtlinien initiierte die ÖGPÄRC nun auch die Etablierung von europaweiten Standards für ästhetische Chirurgie. Univ. Doz. Dr. med. Helmut Hoflehner, niedergelassener Plastischer Chirurg, stellvertretender Leiter der Schwarzl Klinik und Präsident der ÖGPÄRC erläutert: „Für Patienten sind die Qualifikation des Arztes, die Qualität seiner Leistung und ihr Umfang oft schwer abzuschätzen. Um den Patienten in Zukunft mehr Sicherheit zu bieten und hohe Qualitätsstandards zu gewährleisten, haben wir die Etablierung von europaweiten Standards in der Ästhetischen Chirurgie initiiert. Mittlerweile arbeiten 22 CEN Mitgliedsländer sowie alle wichtigen europäischen und internationalen Organisationen auf dem Gebiet der Plastischen Chirurgie und Konsumentenschutzorganisationen an diesem Projekt. Die Standards befassen sich mit dem gesamten Ablauf eines Patientenkontaktes von der Erstkonsultation bis zur letzten Kontrolle. Das Projekt soll 2013 abgeschlossen sein.“


Neue Operationstechniken

Die permanente Aus- und Weiterbildung und die intensive Auseinandersetzung mit dem Fach führten und führen auch zur Weiterentwicklung von Operationstechniken. Wurde vor einigen Jahren der dauerhafte Verschluss eines großflächigen Defektes bereits als Erfolg beurteilt, legt man heute größten Wert darauf, zusätzlich die Funktion der betroffenen Körperregion wiederherzustellen und darüber hinaus auch ein ästhetisch zufriedenstellendes Erscheinungsbild zu erreichen. Der Ursprung der Plastischen Chirurgie liegt im Bereich der Wiederherstellungschirurgie, weshalb nahezu alle Techniken, die heute im ästhetischen Bereich angewandt werden, auf dem Wunsch fußen, ein rekonstruktives Problem zu lösen. Da Patienten mit Defekten im Gesicht in ihrer Sozialität besonders stark betroffen sind, befassen sich die wissenschaftlichen Sitzungen der diesjährigen Jahrestagung sehr stark mit der Korrektur dieser Defekte. Prof. Dr. med. Dr. med. habil. Wolfgang Gubisch, Direktor der Klinik für Plastische Gesichtschirurgie Marienhospital Stuttgart und Präsident der VDÄPC, führt dazu aus: „Durch die Weiterentwicklung im Grunde uralter Methoden und deren Ergänzungen durch neue anatomische Erkenntnisse sowie die Integration neuer, von der Plastischen Chirurgie entwickelter, neuer Operationstechniken, die zwischenzeitlich auch von anderen chirurgischen Disziplinen übernommen wurden, können wir unseren Patienten heute Verfahren anbieten, die es ermöglichen, nicht nur Defekte zu verschließen, sondern im Fall z.B. eines Tumors im Bereich der Nase die betroffene Stelle so wiederherzustellen, dass die ursprüngliche, auf Grund ihrer Lokalisation auch sehr entstellende Läsion nicht mehr oder kaum mehr sichtbar ist. Neben der Verfeinerung der Verfahren sind aber die Expertise, die Spezialisierung und nicht zuletzt die Erfahrung, die der behandelnde Arzt mitbringt, wesentlich um die neuen Techniken erfolgreich einsetzen zu können.“

Bahnbrechende Fortschritte durch experimentelle Forschung
Als regeneratives und Körperregionen übergreifendes Fach setzt die Plastische Chirurgie traditionellerweise auf die experimentelle Entwicklung neuer Techniken und Verfahren. Daneben werden aber auch Medizinprodukte wie zum Beispiel Implantate aus Silikon oder künstlicher Hautersatz weiter verbessert und verfeinert. Gerade im Bereich des Tissue Engineering, also der Gewebezüchtung, versucht die Plastische Chirurgie unermüdlich und mit Erfolg die Grenzen des Machbaren zu erweitern. Univ. Prof. Dr. med. Peter M. Vogt, Direktor der Klinik und Poliklinik für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie – Medizinische Hochschule Hannover und Präsident der DGPRÄC beschreibt diese Bestrebungen: „Die Regeneration der Haut und die Gewebezüchtung sind zentrale Themen in der Plastischen Chirurgie in denen bereits Meilensteine erzielt werden konnten. Konkrete Beispiele dafür sind etwa Techniken wie die Lipoinjektion oder die Mikronadeltherapie mit der die Behandlung von großflächigen Narben verbessert werden konnte, der Hautersatz selber oder spezielle Verbandstechniken mit denen beispielsweise Defekte der Fingerkuppen regeneriert werden können. Insgesamt verspricht die weitere Erforschung der regenerativen Fähigkeiten unseres Körpers und die Umsetzung dieser Erkenntnisse in den Spitalsalltag eine deutliche Verbesserung der medizinischen Versorgung sowohl im rekonstruktiven als auch im ästhetischen Bereich unseres Faches.“

Zur Jahrestagung:
Die diesjährige Jahrestagung der ÖGPÄRC, der DGPRÄC und der VDÄPC überzeugt durch ihr umfangreiches wissenschaftliches Programm in dem gemäß dem Motto der Tagung „Plastische Chirurgie – eine integrierende Disziplin“ neben fachspezifischen Sitzungen auch fachübergreifende Sessions abgehalten werden. So gibt es gerade zum Thema Plastische Chirurgie und Ökonomie eine Sitzung in der neben einem Plastischen Chirurgen auch Ökonomen zu Wort kommen. Insgesamt sind 200 Vorträge und die Präsentation von 170 Postern geplant. Die Veranstalter erwarten darüber hinaus ca. 700 Besucher.


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