k.A.

1991-1993 Prim. Univ. Prof. Dr. Jürgen Holle

1.) Welche Aufgaben, Schritte und Maßnahmen waren während Ihrer Präsidentschaft wesentlich?

Das bestimmende Thema meiner Präsidentschaft war der von den USA ausgehende Bann der Silikon-Mammaimplantate. In den USA wurde die Implantation von Silikon-Implantaten verboten und von mit NACL gefüllten Implantaten ersetzt.

Horrormeldungen über die schädliche Wirkung dieser Implantate füllten die Medien und verunsicherten nicht nur zukünftige sondern auch alle Patienten, die bereits solche Implantate in ihrem Körper hatten. Als Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Plastische Chirurgie hatte ich alle Hände voll zu tun, um verunsicherte Patienten im persönlichen Gespräch zu beruhigen und in den Medien beruhigend auf die von Amerika ausgehende Hysterie einzuwirken.

In der Zwischenzeit hat sich die Sachlage dahin gehend geklärt, dass die Unbedenklichkeit der Silikonimplantate als Auslöser von immunologischen Bindegewebserkrankungen erwiesen ist. Eine Tatsache die ich schon damals vehement vertreten habe.


2.) Was waren die Meilensteine der Plastischen Chirurgie in Ihrer Periode?

Während meiner Präsidentschaft hat sich die heute als „State of the Art“ etablierte Brustrekonstruktion mit dem freien Bauchfettlappen (DIEP/TRAM) entwickelt. Die Liposuction ist zum Allgemeingut nicht nur der Plastischen Chirurgen sondern auch der Dermatologen und aller anderen selbsternannten Ästhetischen Chirurgen geworden.

Die Distraktions-Osteoneogenese hat andere Operationsverfahren in der Cranio-facialen Chirurgie verdrängt. Die Replantationschirurgie hat an Bedeutung verloren, der mikrochirurgische Gewebsersatz hat immer weitere Anwendungsmöglichkeiten eröffnet und ist weiter ein heißes Thema geblieben.


3.) Welche Position hat die Österreichische Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie innerhalb der Medizin damals wie heute?

In der Zeit meiner Präsidentschaft war das allgemein anerkannte Operationsspektrum der Plastischen Chirurgie deutlich größer als es heute der Fall ist. Die posttraumatische Handchirurgie ist an die Unfallchirurgie verloren gegangen, die periphere Nervenchirurgie wird von Neurochirurgen durchgeführt, die Brustchirurgie, und im speziellen die Brustrekonstruktion nach Mammatumor, ist in manchen Spitälern eine Domäne der Gynäkologie geworden.

Die Chirurgie des Melanoms und anderer Hauttumore wird von so genannten Chirurgischen Dermatologen durchgeführt. Die ästhetische Nasenchirurgie wird immer mehr von Fachärzten der HNO übernommen und die Ästhetische Chirurgie ist einem Wildwuchs selbst ernannter Ästhetischer Chirurgen erlegen.


4.) Wie wird Ihrer Meinung nach die Zukunft des Faches in den nächsten 10 Jahren aussehen?

Das Fach der Plastischen Chirurgie sollte sich auf die Intentionen der Pioniere des Faches zurück besinnen und der Tradition dieser Generationen folgen.

Die Plastische Chirurgie war aufgrund wissenschaftlicher Grundsatzüberlegungen zum biologischen Verhalten des Weichteilgewebes und der Entwicklung neuer Operationstechniken in der Rekonstruktiven Chirurgie seit vielen Jahren ein Vorreiter für alle anderen chirurgischen Fächer und aus diesem Grund auch lange unangefochten.
Nur das Bestreben, die Rekonstruktive Chirurgie innovativer, präziser und damit erfolgreicher weiter zu entwickeln, wird der Plastischen Chirurgie auch in Zukunft den Platz in der Medizin garantieren, den sie grundsätzlich verdient.