1977-1979: Prim. Dr. Hans Georg Bruck
1.) Welche Aufgaben, Schritte und Maßnahmen waren während Ihrer Präsidentschaft wesentlich?
In den Jahren während meiner Präsidentschaft (1977-1979 und 1983-1985) war mir die Anerkennung der Plastischen Chirurgie als sog. „Klammerfacharzt“ sowie die spätere Anerkennung der Plastischen Chirurgie als eigenes Fach besonders wichtig. Außerdem gelang es, die neu übersiedelte Abteilung für Plastische Chirurgie im Wilhelminenspital als erste selbstständige Einheit in Österreich außerhalb der Universitätskliniken zu etablieren.
2.) Was waren die Meilensteine der Plastischen Chirurgie in Ihrer Periode?
Als ich 1949 promovierte, gab es eine Plastische Chirurgie im heutigen Sinne in Österreich noch nicht, deshalb wurde ich 1952 zur Weiterbildung nach England geschickt. Die Plastische Chirurgie musste sich als eigene Disziplin erst bewähren. Nachdem der „Klammerfacharzt“ erreicht und schließlich auch die Anerkennung als eigenes Fach erfolgte, schafften wir es, das Wort „Ästhetische Chirurgie“ für den Facharzttitel zu sichern, weshalb andere Gesellschaften und medizinische Disziplinen (zB Dermatologie) den Titel nicht für sich beanspruchen können.
3.) Welche Position hat die Österreichische Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie innerhalb der Medizin damals wie heute?
Damals musste sich das Fach erst etablieren. In Innsbruck wurde die Klinik für Plastische Chirurgie unter der Leitung von Prof. Wilfingseder aufgebaut. In Wien wurde im Rahmen der Gemeinde die Abteilung für Plastische Chirurgie gegründet. Damals wie heute sollte der wichtigste Maßstab „die Exzellenz der Technik“ bleiben.
4.) Wie wird Ihrer Meinung nach die Zukunft des Faches in den nächsten 10 Jahren aussehen?
Ich bin skeptisch. Immer mehr mit Lokaler Chirurgie befasste Fächer drängen in die Bereiche der Plastischen Chirurgie, beispielsweise Dermatologen, HNO-Ärzte etc., ohne jedoch eine adäquate Ausbildung im Bereich der Ästhetischen Chirurgie vorweisen zu können.
Weiters werden laufend Fachärztinnen und Fachärzte ausgebildet, die aufgrund mangelnder praktischer Übung keine Anstellung mehr in Spitälern finden. Sie sind gezwungen, eine „Privatpraxis“ aufzumachen. Dadurch sind sie dem Druck ausgesetzt, wirtschaftlich überleben zu müssen. Die Versuchung, mit eher zweifelhaften Operationsergebnissen und unseriöser Werbung über die Runden zu kommen, ist wohl groß. Die Meldungen über „verpatzte“ Operationen in den Medien häufen sich, was unserem Fach sicherlich nicht zuträglich ist.
