1973-1975: Univ. Prof. Dr. Hanno Millesi
1.) Welche Aufgaben, Schritte und Maßnahmen waren während Ihrer Präsidentschaft wesentlich?
Während meiner Präsidentschaft der Österreichischen Gesellschaft für Plastische Chirurgie stellte sich die Frage, ob die Gesellschaft den Status einer assoziierten Fachgesellschaft eingehen soll oder nicht. Am Kongress 1972 in Krems wurde die Assoziierung beschlossen.
Seither organisiert die Gesellschaft für Plastische Chirurgie eine Sitzung im Rahmen des Österreichischen Chirurgenkongresses und eine zeitlich und räumlich getrennte Jahrestagung. Dasselbe gilt übrigens auch für die 1990 gegründete Österreichische Gesellschaft für Handchirurgie.
2.) Was waren die Meilensteine der Plastischen Chirurgie Ihrer Meinung nach?
Ich möchte erwähnen dass Albert, später Chef der I. Chirurgischen Universitätsklinik in Wien, während seiner Innsbrucker Zeit die erste freie, autologe und homologe Nerventransplantation am Menschen durchgeführt hat. Nikoladoni gelang als erstem die gestielte Zehenverpflanzung zum Daumenersatz. Biesenberger hat sich einen international anerkannten Namen auf dem Gebiet der Mammaplastik gemacht. Eiselsberg, Vorstand der I. Chir. Univ. Klinik in Wien, interessierte sich bereits frühzeitig für kieferchirurgische Probleme, errichtete an seiner Klinik während des Ersten Weltkrieges, als viele Gesichtsverletzungen zu behandeln waren, die Kieferstation unter Pichler, die zur Keimzelle der Kieferchirurgie in Österreich wurde.
Durch die Verwendung mikrochirurgischer Prinzipien und die Entwicklung einer verlässlichen Methode der Nerventransplantation konnten die Ergebnisse der peripheren Nervenchirurgie entscheidend verbessert werden. Dies lässt sich am Nikoladoni’schen Zehentransfer zeigen. Die Erfolge der mikrovaskulären Chirurgie haben die Plastische Chirurgie von Grund auf verändert. Hautlappen können in fast beliebiger Größe an jeden Ort des Körpers verpflanzt werden.
3.) Welche Position hat die Österreichische Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie damals wie heute?
Die österreichische plastisch-rekonstruktive Chirurgie hat eine lange Tradition und wesentliche Beiträge zur Gesamtentwicklung geleistet.
4.) Wie wird Ihrer Meinung nach die Zukunft des Faches in den nächsten zehn Jahren aussehen?
Im Lauf der Jahre sind immer wieder interessante Themen aus der Plastischen Chirurgie und der Handchirurgie im Rahmen der Chirurgenkongresse diskutiert worden, es bleibt zu hoffen, dass die Bedeutung des Faches auch in Zukunft nicht rein auf die Ästhetische Chirurgie beschränkt wird.
