Experteninterview mit Prim. Dr. Hintringer zu gesetzlichen Regelungen von ästhetischen Eingriffen
31.01.2012
Plastische Chirurgen begrüßen Gesetzesinitiative
Experteninterview mit Prim.Dr. Thomas Hintringer,
Präsident der ÖGPÄRC und Leiter der Abteilung für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz
Fischill PR: Herr Prim. Hintringer, wie beurteilen Sie als Präsident der ÖGPÄRC den Vorstoß von Bundesminister Alois Stöger, ästhetische Operationen per Gesetz zu regeln?
Prim. Hintringer: Wir begrüßen diese Initiative des Gesundheitsministers, denn nun wird das Thema „Ästhetische Operationen“ endlich seriös, sachlich und umfassend diskutiert werden. Die Details, die bisher bekannt wurden, machen zudem deutlich, dass wir in sehr vielen Punkten eine gemeinsame Linie vertreten. Auch für die ÖGPÄRC stehen ganz klar die Sicherheit der PatientInnen, die Qualität der medizinischen Leistung und der Schutz von Minderjährigen im Vordergrund. Zusammengefasst kann man sagen, dass wir das Gesetz als Chance auf eine Qualitätsoffensive sehen, die auch vom Gesetzgeber mitgetragen wird.
Fischill PR: Wo sehen Sie die Chancen und Risiken des Gesetzesentwurfs?
Prim. Hintringer: Soweit die Inhalte des geplanten Gesetzes bisher bekannt sind, sehe ich ganz klar die Chance auf eine Qualitätssteigerung im Bereich der sogenannten „Schönheits-OPs“. Schließlich soll ja die Befugnis solche Eingriffe durchführen zu dürfen, erstmals an die spezifische Ausbildung und somit an die Qualifikation gekoppelt werden.
Bedauerlich ist, dass durch die Berichterstattung, die in Folge der Ankündigung des Ministers erschienen ist, der Eindruck entsteht, dass bei ästhetischen Eingriffen in Österreich dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet sind. Ich möchte betonen, dass die Mitglieder unserer Gesellschaft ohnehin seit Jahren freiwillig konform zu diesem Gesetzesvorschlag arbeiten. So wurden beispielsweise bereits bisher ästhetische Eingriffe an Jugendlichen nur unter ganz bestimmten, strengen Voraussetzungen vorgenommen.
Fischill PR: Wie stehen Sie zur geforderten Abklärung durch eine PsychologIn?
Prim. Hintringer: Ästhetische Eingriffe können keine psychischen Probleme lösen. Jede Plastische ChirurgIn muss daher sicher stellen, dass keine solchen vorliegen. Ansonsten ist das Risiko groß, dass die PatientIn trotz einer gelungenen Operation mit dem Ergebnis unzufrieden ist. Die psychologische Abklärung dient also dem Schutz sowohl der PatientIn als auch der ÄrztIn. Da psychologische Schulung ein Teil der Ausbildung der Fachärzte für Plastische Chirurgie ist, denke ich aber, dass ein verpflichtendes Gespräch beim Psychologen nicht nötig ist. Viele PatientInnen lehnen dieses auch ab, weil sie sich dadurch bevormundet fühlen.
Fischill PR: Wie beurteilen Sie die Werbebeschränkung, die der Gesetzesvorschlag vorsieht?
Prim. Hintringer: Wir halten diese Beschränkung für 100 Prozent sinnvoll, da wir jedes marktschreierisches Verhalten ablehnen. Der Vorstand der ÖGPÄRC kann sich nicht mit Aktionen identifizieren, die zu Missverständnissen bei PatientInnen führen oder den Eindruck erwecken, ästhetische Eingriffe seien völlig risikolos. Aus diesem Grund haben wir bereits im Herbst 2011 einen für alle Mitglieder verpflichtenden Ethik-Kodex erstellt. Er sichert das ethische Handeln unserer Gesellschaft und verhindert falsche, täuschende und irreführende Aussagen.
