Experteninterview mit Prim. Hintringer, neuer Präsident der ÖGPÄRC

03.11.2011

Im Rahmen der 49. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie wurde Prim. Dr. Thomas Hintringer zum Präsidenten der Gesellschaft gewählt. Prim. Hintringer ist seit 2006 Leiter der Abteilung für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz. Anlässlich seines Amtsantritts bat ihn Fischill PR zum Gespräch.

Fischill PR: Herr Primar Hintringer, Sie sind frisch gewählter Präsident der Fachgesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie. Was hat Sie dazu bewogen nach dem Medizinstudium das Fach Plastische Chirurgie zu wählen?

Prim. Hintringer: Plastische Chirurgie hat mich schon während des Studiums wegen der Kreativität fasziniert mit der an Problemlösungen herangegangen wird. Immer wieder neue Ideen einfließen lassen und dabei ein breites anatomisches Wissen zu haben, macht die Plastische Chirurgie für mich immer wieder aufs Neue interessant. Natürlich spielt in der Berufswahl immer auch ein wenig Glück mit. Und das hatte ich, als ich 1987 in eine neu gegründete Abteilung eintreten und mit Herrn Univ.-Prof. Dr. Bauer beim Aufbau der Abteilung zusammenarbeiten konnte.

Fischill PR: Sie haben sich mit Ihrem Wissen und Ihrem Ausbildungsstand in eine private Klinik eingebracht, die zur Vinzenz Holding gehört. Wie ist dort der Stellenwert der Plastischen Chirurgie? Welche Aspekte waren für Sie maßgeblich sich für diese Stelle zu bewerben?

Prim. Hintringer: Ich bin, wie man so sagt, im Ordenskrankenhaus aufgewachsen. Die Barmherzigen Schwestern - heute ein Teil der Vinzenzholding - haben meiner Ansicht nach immer schon einen guten Weitblick gehabt und in die Zukunft investiert. Die Plastische Chirurgie hat hier einen wesentlichen Platz in der Patientenversorgung und ist stark interdisziplinär orientiert. Interdisziplinarität ist auch eine Stärke der Plastischen Chirurgie, die sich ja in fast allen Körperregionen bewegt.

Fischill PR: Erkennen Sie Beweggründe, die potentielle Patienten, die sich ästhetischen Eingriffen unterziehen möchten, gemein haben? Denken Sie, es handelt sich hier auch um modische Trends?

Prim. Hintringer: Ästhetik und Schönheit unterliegen natürlich immer auch gewissen Trends. Die Beweggründe von Menschen, die sich kosmetischen Operationen unterziehen, sehe ich aber doch sehr ähnlich. Der Wunsch nach Behebung kleinerer oder größerer körperlicher Mängel mit dem Ziel sich wohler zu fühlen, ist die entscheidende Gemeinsamkeit. Das Problem liegt eher darin, dass es sehr viel Zeit und Gespräche kostet, die wirklichen Hintergründe zu finden, wenn sich Menschen zu einem Beratungsgespräch einfinden. Reine Modetrends oder starke psychische Probleme sind Gründe, weshalb ich Operationen ablehne, da ein psychisches Problem nicht mit dem Messer geheilt werden kann, ohne die auslösenden Faktoren mit zu behandeln. Nur um es mit einem Beispiel zu veranschaulichen: Eine Frau, die versucht mit einer größeren Brust ihre Ehe zu retten oder ein Mann, der durch eine Nasenkorrektur erhofft sein Leben neu in den Griff zu bekommen, wird das Problem mit einer Verbesserung des Aussehens nicht lösen. Es ist aber oft sehr schwer, Patienten davon zu überzeugen, dass in solchen Fällen nicht operiert werden soll, da der Wunsch danach sehr stark ist.
Andererseits zählt es zu meinen schönsten Erfolgserlebnissen selbstbewusstere, glückliche Menschen zu sehen, die nach einer erfolgreichen ästhetischen Korrektur zur Kontrolle kommen.

Ich bin davon überzeugt, dass ästhetische Chirurgie mindestens gleiche, wenn nicht sogar höhere, Ansprüche an die ärztliche Ethik stellt wie die übrige Medizin. Gerade in einem Bereich der finanziellen Anreiz bietet, ist dies manchmal eine große Herausforderung, der wahrscheinlich auch manche erliegen.

Fischill PR: Was halten Sie von dem anhaltenden Medienhype rund um die sogenannten „Schönheits-Docs“ in diversen Serien und Magazinen?

Prim. Hintringer: Ehrlich gesagt, sehe ich mir solche Sendungen kaum an, da mich der Unsinn, der dabei manchmal berichtet wird, fast krank macht. Leider sind diverse Serien mit Schuld daran, dass die ästhetische Chirurgie teilweise in Verruf gerät. Ich persönlich finde das sehr schade, da, wie schon gesagt, dieser Teil der plastischen Chirurgie bei seriöser Ausführung sehr wichtig und wertvoll ist.
Es ist schon verständlich, dass auch Werbung betrieben wird. Ich denke aber, dass langfristig eine seriöse Information und Mundpropaganda durch zufriedene Patienten mehr bringen als sich um jeden Preis ins Rampenlicht stellen zu lassen.

Fischill PR: Wie wichtig ist ein Qualitätsnachweis in Ihrem Fach und passen die Inhalte auf dem Gebiet der Aus- und Weiterbildung für Sie noch?

Prim. Hintringer: Die Qualität der Ausbildung und selbstverständlich auch der Weiterbildung ist ein zentrales Thema, das natürlich in der Fachgesellschaft, aber auch politisch und von Seiten der Ärztekammer berechtigterweise immer eingefordert wird. Ausbildungsordnungen und -inhalte werden regelmäßig überarbeitet, Facharztprüfungen müssen seit einigen Jahren verpflichtend abgelegt werden. Alle Fachgesellschaften und Abteilungsleiter haben ein Interesse daran, Ärzte in ihren Reihen gut auszubilden. Zum einen da sich eine schlechte Qualifikation sehr negativ auf den gesamten Berufsstand einer Fachdisziplin auswirken kann und zum anderen, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass ein Abteilungsleiter einen schlecht ausgebildeten Arzt an seiner Abteilung haben möchte.
Die Qualifikation ist in allen Bereichen - nicht nur in der Medizin - der Schlüssel zum Erfolg. Die Ausbildungsordnungen der einzelnen Fachbereiche sind ein Garant für bestmögliches Wissen. Natürlich spielt dann auch noch das manuelle Geschick und die individuelle Persönlichkeit eine wesentliche Rolle.
Zusammengefasst kann man sagen: Eine gute Ausbildung verhindert zwar keine Komplikationen, macht sie statistisch gesehen aber sicher seltener.

Fischill PR: Ist die Ästhetische Chirurgie eine Joboption mit Zukunft, die Sie jungen Medizin anraten können (und warum)?

Prim. Hintringer: Ich denke nicht nur die Ästhetische sondern die gesamte Plastische Chirurgie hat eine gute Zukunft. Im rekonstruktiven Bereich wird meiner Ansicht nach durch die zunehmende Spezialisierung der Medizin das Spezialwissen der plastischen Chirurgen in der interdisziplinären Zusammenarbeit immer wertvoller für andere Fächer. Und auch in der ästhetischen Chirurgie wird es vermutlich immer mehr Menschen geben, die ihr körperliches und seelisches Wohlbefinden verbessern möchten. Wir müssen dieses verbesserte Wohlbefinden aber auch erreichen und dazu ist nicht nur Kreativität, sondern vor allem ethisches Handeln im Sinne unsere Patienten Voraussetzung.

Fischill PR: Was sagen Sie als Präsident Ihrer Gesellschaft dazu, wenn andere Kollegen, die nicht vom Fach sind, auch im ästhetischen Bereich operieren oder entsprechende Leistung anbieten?

Prim. Hintringer: Es geht nicht darum, wer etwas macht, wenn es gut gemacht wird. Aber um etwas gut machen zu können, ist, wie schon vorher erwähnt, eine solide Ausbildung die Basis. Nicht alle Fachrichtungen haben in ihren Ausbildungen die Ästhetische oder Rekonstruktive Chirurgie enthalten. Ein Ziel, das im übrigen gerade auch von Seiten des Gesundheitsministeriums stark verfolgt wird, ist die Erstellung von Qualitätsstandards für ästhetische Operationen. Ich halte diese Erstellung für Qualitätsstandards für einen wichtigen Schritt zum Schutz der Patienten und es ist gleichzeitig auch ein Ansporn für alle seriös arbeitenden Ärzte hohe Qualität zu bieten.

Fischill PR: Wie anstrengend ist es denn, viel zu operieren und was ist Ihr privates Lebensrezept sich zu entspannen und fit zu bleiben?

Prim. Hintringer: Ich kenne viele Chirurgen in leitender Funktion, die sich nichts mehr wünschen, als häufiger im Operationssaal zu stehen und weniger vor dem Bildschirm oder in Besprechungen zu sitzen. Mir geht es ähnlich. Operieren ist das, was ich gelernt habe, weil ich Menschen helfen will. Eine Operation ist daher selten belastend. Die Summe aller Tätigkeiten erzwingt dann aber doch meist einen 10 - 12 Stundentag und da ist das Wochenende dann meiner Familie gewidmet. Ein wenig sportliche Betätigung oder eine Runde Tarock mit Freunden geht sich auch manchmal aus.

Fischill PR: Wohin soll sich Ihrer Meinung nach die plastische Chirurgie entwickeln und was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Prim. Hintringer: Man kann Entwicklungen nicht voraussehen, aber wie schon angeführt, sehe ich die Zukunft der Plastischen Chirurgie als Anbieter ganz spezieller chirurgischer Leistungen in einem breiten Umfeld gemeinsam mit fast allen anderen Fachrichtungen. Die Nahebeziehung schon auf Grund anatomischer Regionen zu den unterschiedlichsten Fachdisziplinen wird ja von manchen als kritisch wegen der Abgrenzung des Fachgebietes gesehen. Ich sehe es aber als Stärke und Zukunftschance, die plastische Chirurgie breit zu verankern.

Zusätzlich wünsche ich mir, dass in 10 Jahren niemand mehr fragt: Plastische Chirurgie, was ist das?

Fischill PR: Danke für das Gespräch.

 

Rückfragen:
Fischill PR

DI Isolde Fally,
01/408 68 24-0,
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